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Zum Tod von Rolf Zacher

Erinnerungen an den Tangotänzer des Lebens

Nordwalde

Schauspieler Rolf Zacher, der am 3. Februar im Alter von 76 Jahren verstarb, ist vielen Nordwalder in guter Erinnerung. Er war 2008 mit seiner Biografie „Endstation Freiheit“ der erste Promi bei den allerersten „Nordwalder Biografietagen“.

Matthias Grenda

Schauspieler Rolf Zacher (r.) präsentiert mit Matthias Essmann die von ihm kreierte „Zacher-Torte“.
Schauspieler Rolf Zacher (r.) präsentiert mit Matthias Essmann die von ihm kreierte „Zacher-Torte“. Foto: Christian Büchter

Gründer und Organisator der Biografietage Matthias Grenda erinnert sich an einen guten Freund: Bei den Biografietagen begann eine Freundschaft zwischen uns und eine besondere Geschichte zwischen diesem Schauspieler mit der markanten Stimme, Nase und Nordwalde.

Legendäre Zachertorte

Nicht nur, dass Rolf seinerzeit in der Partnerstadt Treuenbrietzen lebte und die Ruhe dem Stadtleben Berlins vorzog, „Ist halt nicht mehr mein Berlin“, so Deutschlands bester Schauspiel-Ganove. Es erfüllte sich in Nordwalde der Traum des gelernten Bäckers, eine eigene Torte auf den Markt zu bringen. Matthias Essmann war sofort begeistert und es entstand, wie könnte sie auch anders heißen, die Zachertorte, „natüüürlisch mit mehr Marmelade als die Sachertorte“, so der ewig berlinernde, überglückliche Rolf. Die Zachertorte war monatelang ein echter Verkaufsschlager.

Unvergessen sind auch die vielen Begegnungen mit ihm und den Nordwaldern. Einmal platze Rolf in die Versammlung der Frauenschützen in der Gaststätte Kloppenborg, „Was ist denn hier los?“ rief er in seiner typischen Art, gleich der große Auftritt. „Mensch, der Zacher“ schallte es aus über 60 Frauenmündern zurück.

Auf dem Weg nach Paris richtig kennengelernt

Einmal wurden wir beim Verlassen von Nordwalde wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten. Ein zuerst verdutzter Polizist strahlte plötzlich, „ach Herr Zacher, dass ich Sie mal erwische“. Rolf liebte sein Publikum und das Autofahren. Auf den diversen gemeinsamen Fahrten durch Deutschland, aber auch nach Paris zu einer Filmpremiere, lernte ich Rolf dann wirklich kennen.

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Freiheit und Individualität waren ihm wichtig, und ein kompromissloser Anspruch an seinen Beruf. Rolf war nicht einfach, richtig kantig, aber immer herzensgut. Ein Mann der alten Schule eben, mal raubeinig, aber im richtigen Moment auch elegant. „Es ist wie beim Autofahren“, so Rolf unterwegs, „in Deutschland wird auf der Straße gekämpft, in Frankreich getanzt, man wiegt sich durch den Verkehr“.

Großer Künstler

Und genau das beschreibt Rolf Zacher den Menschen eigentlich am besten, er war ein Tangotänzer des Lebens, voller Leidenschaft, auf der Suche nach der Gefahr und Erfüllung, immer bereit, alles zu geben. Dabei war er von einer Anziehungskraft und Vitalität, wie sie nur große Künstler haben.

Rolf lebte unsere geheimen Ängste und Sehnsüchte aus und erzählte dann seine Geschichten dazu. Ich werde Rolf sehr vermissen. Was mir im Ohr bleiben wird, ist seine Stimme und damit seine unermüdlichen Aufforderung „Sei mutig und lebe!“